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Gasförmige Energieträger sind und bleiben ein zentraler Baustein der zukünftigen Energieversorgung. Im Interview erläutert Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG AG, warum Moleküle – von Erdgas über Biomethan bis hin zu Wasserstoff – unverzichtbar für Versorgungssicherheit, Systemflexibilität sowie Sektorenkopplung, industrielle Prozesse und saisonale Speicherung sind.
Wie trägt die aktuelle Speicherstrategie der VNG dazu bei, die Versorgungssicherheit langfristig zu stärken, und welche technologischen Innovationen sehen Sie dabei als besonders vielversprechend?
„Über unsere Speichertochter VGS betreiben wir leistungsfähige Untergrundgasspeicher in Nord- und Ostdeutschland. Mit einer Speicherkapazität von über 2,7 Milliarden Kubikmetern gehören wir damit zu den größten Speicherbetreibern in Deutschland und tragen unseren Teil zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität bei. Gasspeicher sind generell ein wesentlicher Bestandteil der Gasinfrastruktur im Inland. Im Gegensatz zum Gasbezug über LNG-Terminals wird das Gas bereits physisch nahe der Verbrauchsschwerpunkte in Deutschland gelagert und kann kurzfristig unabhängig von Dritten genutzt werden. Die Speicher gleichen als Puffersystem saisonale und kurzfristige Schwankungen im Gasverbrauch aus und sichern die Versorgung in Zeiten hoher Nachfrage. Die VGS nutzt innovative Konzepte wie beispielsweise eine Speicherzone, die mehrere Standorte umfasst. Dadurch können Synergien gehoben werden. Außerdem steht am Standort Bernburg mit dem Untergrundspeicher Katharina einer der modernsten Speicher Deutschlands. Perspektivisch könnten Gasspeicher auch für die Speicherung von Wasserstoff genutzt werden. In unserem Reallaborprojekt Energiepark Bad Lauchstädt zeigen wir gemeinsam mit Partnern, wie grüner Wasserstoff aus Windstrom erzeugt, transportiert und zukünftig auch gespeichert werden könnte. Aber zur Speicherung von Wasserstoff müssen erst die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erreicht werden.“
Welche Rolle spielen gasförmige Energieträger – von klassischen Molekülen bis zu synthetischen Varianten – in Ihrer Zukunftsplanung für ein nachhaltiges Energiesystem?
„Gasförmige Energieträger sind und bleiben ein zentraler Baustein unserer Zukunftsstrategie. Moleküle – ob Erdgas, Biomethan oder Wasserstoff – sind unverzichtbar für Versorgungssicherheit und die Flexibilität des Energiesystems. Sie ergänzen erneuerbare Elektronen und ermöglichen Sektorenkopplung, industrielle Prozesse und saisonale Speicherung.“
„Gasförmige Energieträger sind und bleiben ein zentraler Baustein unserer Zukunftsstrategie. “
Wie schätzen Sie die Entwicklung des Wasserstoffmarktes ein, und welche Schritte unternimmt VNG, um sich in dieser weiterhin bestehenden frühen Phase des Hochlaufs gut zu positionieren?
„Wasserstoff sehen wir als einen Schlüssel für die Dekarbonisierung energieintensiver Branchen und für die Flexibilität des Energiesystems. Deshalb haben wir uns auch commitet: In Bad Lauchstädt realisieren wir im Konsortium eines der ersten Projekte für grünen Wasserstoff im industriellen Maßstab in Deutschland. Wir werden grünen Wasserstoff mit 30 MW Kapazität erzeugen und über eine 25 km lange Pipeline zur Total-Raffinerie in Leuna transportieren – ein Modellprojekt für das Wasserstoffkernnetz sowie darüber hinaus für die gesamte Wertschöpfungskette von grünem Wasserstoff in einem lokalen Cluster. Insgesamt werden wir uns am Wasserstoffkernnetz in Mitteldeutschland mit einem Investitionsvolumen im mittleren dreistelligen Millionenbereich engagieren. Das ist die größte Einzelinvestition unserer über 65-jährigen Unternehmenshistorie. Für den Wasserstoffhochlauf brauchen wir aber auch dekarbonisierten Wasserstoff als wichtige Brücke, um zeitnah große Mengen Wasserstoff verfügbar zu machen, solange grüner Wasserstoff noch nicht ausreichend skalierbar ist. Viele Projekte sind aber aktuell nicht wirtschaftlich, was Investitionen verzögert und Unsicherheit schafft. Dafür muss die Politik jetzt die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Hürden für den Wasserstoffhochlauf sind insbesondere komplexe und teils restriktive Regulierung auf europäischer Ebene, besonders die strengen Strombezugskriterien für grünen Wasserstoff. Auf nationaler Ebene erschwert die 2029 auslaufende Netzentgeltbefreiung für Wasserstofferzeugungsanlagen die Weiterentwicklung von Projekten.“
Welches Potential sehen Sie für Elektrolyseure als verbindendes Element zwischen Strom und Wasserstoff im Gesamtenergiesystem?
„Elektrolyseure wandeln Strom aus Wind- und Solaranlagen in grünen Wasserstoff um und stellen damit das zentrale Bindeglied zwischen dem Strom- und dem Wasserstoffsystem dar. Das schafft Flexibilität im Energiesystem und unterstützt die Sektorenkopplung – also die Verbindung von Strom, Wärme und Mobilität. Wir sehen großes Potenzial in skalierbaren Elektrolyseanlagen. Projekte wie der Energiepark Bad Lauchstädt zeigen, wie diese Technologie in der Praxis funktioniert.“
Foto: © VNG AG/Torsten Proß & Hauptsitz der VNG AG in Leipzig/Eric Kemnitz